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Geld, Steuern & Versicherung

Auswandern ohne Geld: Was realistisch geht und wohin

Auswandern Ratgeber Portal 11 Min. Lesezeit

Ganz ohne Geld geht es nicht, mit wenig schon: Working Holiday bis 35 in Australien, Arbeitsuche in der EU mit deutschem Arbeitslosengeld und ein Einkommen, das Sie mitnehmen. Was jeder Weg verlangt.

Mann hält einen leeren Geldbeutel über einen alten Küchentisch mit wenigen Münzen, dahinter Rucksack und Koffer

Ganz ohne Geld auswandern funktioniert nicht, mit wenig Geld und ohne Eigenkapital schon, wenn Sie ab dem ersten Monat ein Einkommen haben. Die drei realistischsten Wege für Deutsche: ein Working-Holiday-Visum (in Australien seit 1. Juli 2026 bis 35 Jahre, in Neuseeland bis 30), die Arbeitsuche in einem anderen EU-Land, auf Wunsch mit deutschem Arbeitslosengeld für drei bis sechs Monate, oder ein Einkommen, das Sie mitnehmen, etwa eine Remote-Stelle. Stand der Angaben: Oktober 2026.

Was in diesem Artikel nicht steht: pauschale Monatsbudgets für Thailand, Bulgarien oder Mexiko. Solche Zahlen kursieren überall, sind aber selten belegt und veralten schnell. Wir zeigen stattdessen, welche Beträge Behörden tatsächlich verlangen und wie Sie Ihr eigenes Budget aufstellen.

Warum es ganz ohne Geld nicht geht

Drei Dinge müssen Sie in jedem Fall bezahlen, bevor das erste Gehalt kommt:

  • Anreise und Ankunft: Flug oder Umzug, die ersten Wochen Unterkunft und meist eine Kaution für die Wohnung.
  • Absicherung: eine Krankenversicherung ab dem ersten Tag. Neuseeland verlangt sie zum Beispiel für das Working-Holiday-Visum ausdrücklich für die gesamte Aufenthaltsdauer. Wie Sie sich beim Wegzug versichern, erklären wir im Artikel zur Krankenversicherung beim Auswandern.
  • Reserve: Geld für die Zeit, bis Sie Arbeit haben, und für die Rückreise, falls es nicht klappt.

Dazu kommt ein Punkt, den viele übersehen: Das deutsche soziale Netz reist nicht mit. Die Grundsicherung für Arbeitsuchende (Bürgergeld) nach dem SGB II erhalten nur Menschen mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland (§ 7 Abs. 1 SGB II). Wer im Ausland scheitert, steht ohne diese Leistung da, bis er wieder in Deutschland lebt.

Wie viel Geld Sie brauchen: so rechnen Sie

Statt einer Pauschale empfehlen wir eine eigene Rechnung mit Preisen aus Ihrem Zielland:

  1. Anreise: Flug oder Umzugstransport, Gepäck, gegebenenfalls Transport von Haustieren.
  2. Wohnen am Anfang: zwei bis vier Wochen Übergangsunterkunft, danach erste Monatsmiete plus Kaution. Die Höhe der Kaution ist je nach Land verschieden; fragen Sie danach, bevor Sie unterschreiben.
  3. Behörden: Visagebühr, Übersetzungen, Beglaubigungen, Anmeldung.
  4. Krankenversicherung: bis Sie im Zielland pflichtversichert sind oder dauerhaft privat versichert.
  5. Lebenshaltung für mindestens drei Monate: so lange kann die Jobsuche dauern.
  6. Rückreise: Geld für einen Flug zurück, das Sie nicht anrühren.

Wo ein Visum einen Mindestbetrag vorschreibt, ist das die Untergrenze, die die Behörde sehen will, kein ausreichendes Budget. Beispiel Neuseeland: Für das Working-Holiday-Visum müssen Deutsche mindestens 4.200 NZD für den Lebensunterhalt nachweisen.

Eine Auswandern-Checkliste hilft, keine Kostenposition zu vergessen.

Weg 1: Working Holiday – ein Jahr leben und arbeiten

Working-Holiday-Programme erlauben jungen Erwachsenen, bis zu zwölf Monate in einem Land zu leben und dort mit Ferienjobs Geld zu verdienen. Einen Arbeitsvertrag brauchen Sie vorher nicht. Deutschland hat solche Programme laut Auswärtigem Amt mit Andorra, Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Hongkong, Israel, Japan, Südkorea, Neuseeland, Taiwan und Uruguay. Die Grundregel ist ein Alter von 18 bis 30 Jahren; einzelne Länder weichen davon ab.

LandAlter für DeutscheWas verlangt wirdGebühr
Australien (Visum 417)18 bis 35 Jahre, seit 1. Juli 2026Antrag bis zum Tag vor dem 36. Geburtstag840 AUD (erstes Visum)
Neuseeland18 bis 30 Jahremindestens 4.200 NZD, volle Krankenversicherung, Ausreiseplan770 NZD
Kanada (Youth Mobility Program)18 bis 35 JahreAntrag über die kanadische Botschaft, bis zu 12 Monate, höchstens zweimalsiehe kanadische Behörde

Stand: Oktober 2026, Quellen siehe unten. Die Gebühren können sich jederzeit ändern; maßgeblich ist die Seite der jeweiligen Einwanderungsbehörde.

Für wen es passt: Für alle, die jung genug sind und vor allem ausprobieren wollen, ob ein Leben im Ausland zu ihnen passt. Die Jobs sind meist befristet und einfach, etwa in Gastronomie, Landwirtschaft oder Tourismus. Wer danach bleiben will, braucht ein reguläres Visum. Mehr dazu in den Artikeln zu Australien, Neuseeland und Kanada.

Weg 2: Arbeitsuche in einem anderen EU-Land

Als Deutsche oder Deutscher brauchen Sie in der EU weder Visum noch Arbeitserlaubnis. Das macht die EU zum günstigsten Ziel, wenn das Geld knapp ist:

  • Bis zu drei Monate dürfen Sie ohne Bedingungen in einem anderen EU-Land bleiben.
  • Als Arbeitsuchende gewähren Ihnen die Behörden in der Regel sechs Monate, um eine Stelle zu finden. In dieser Zeit dürfen sie nicht verlangen, dass Sie nachweisen, sich selbst finanzieren zu können. Sie können aber auffordern, Ihre Jobsuche zu belegen.
  • Nach sechs Monaten ohne Stelle prüfen die Behörden, ob Sie weiter bleiben dürfen. Dafür müssen Sie zeigen, dass Sie weiter suchen und eine echte Chance auf eine Stelle haben.

Stellenangebote aus ganz Europa und Beratung zu den Arbeitsbedingungen im Zielland bietet das EU-Portal EURES. Was beim Umzug innerhalb der EU sonst gilt, steht im Artikel Auswandern innerhalb der EU.

Arbeitslosengeld mitnehmen

Wenn Sie in Deutschland Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, können Sie es für die Jobsuche in einem anderen EU-Land, in Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz mitnehmen. Die Regeln laut Bundesagentur für Arbeit:

  • Vor der Abreise beantragen: Sie beantragen die Mitnahme, bevor Sie ausreisen. Die Agentur stellt Ihnen dann das Dokument PD U2 aus, das Sie im Zielland vorlegen.
  • Vier Wochen Wartezeit: In der Regel müssen Sie der deutschen Arbeitsvermittlung vor der Abreise vier Wochen zur Verfügung gestanden haben.
  • Drei bis sechs Monate: Auf drei Monate besteht ein Rechtsanspruch. Eine Verlängerung auf höchstens sechs Monate liegt im Ermessen der Agentur.
  • Im Zielland melden: Sie müssen sich kurz nach der Ankunft bei der dortigen Arbeitsverwaltung arbeitsuchend melden. Die genaue Frist nennt Ihnen die Agentur für Arbeit; wer sich zu spät meldet, bekommt erst ab der Meldung Geld.

In Länder außerhalb dieses Kreises, etwa in die USA oder nach Thailand, können Sie Arbeitslosengeld nicht mitnehmen.

Weg 3: Ein Einkommen mitnehmen

Die sicherste Variante mit wenig Erspartem ist, schon vor dem Umzug ein Einkommen zu haben, das nicht an Deutschland gebunden ist:

  • Remote arbeiten für den bisherigen Arbeitgeber. Klären Sie vorher schriftlich, ob er das erlaubt. Arbeit aus dem Ausland hat Folgen für Sozialversicherung und Steuern, die Ihr Arbeitgeber prüfen muss. Innerhalb der EU regelt eine A1-Bescheinigung, in welchem Land Sie sozialversichert sind; Auskunft gibt die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA).
  • Selbstständig arbeiten. Wer ortsunabhängig selbstständig ist, sollte die Aufträge vor dem Umzug stabil haben. Welche Berufe sich eignen, steht im Artikel zu Jobs für digitale Nomaden.
  • Eine Stelle im Zielland vor dem Umzug. Außerhalb der EU ist das oft ohnehin die Bedingung für ein Arbeitsvisum. Wie die Jobsuche aus Deutschland klappt, erklärt der Artikel Im Ausland arbeiten.

Achtung: Ein Touristenaufenthalt ist kein Arbeitsvisum. Wer außerhalb der EU mit Touristenstatus einreist und vor Ort arbeitet, auch online für deutsche Kunden, kann gegen die Einreiseregeln verstoßen. Prüfen Sie das für Ihr Zielland bei dessen Botschaft.

Wohin mit wenig Geld?

Die Wahl des Landes entscheidet weniger über die Lebenshaltungskosten als über die Frage, ob Sie dort überhaupt arbeiten dürfen:

  • EU-Länder sind für Deutsche am einfachsten: keine Visumkosten, freie Jobsuche, Arbeitslosengeld kann mit. Ob Sie lieber ins günstigere Hinterland Portugals oder nach Spanien gehen, ist dann eine Frage von Sprache, Jobchancen und Mietmarkt. Mehr in den Artikeln zu Portugal und Spanien.
  • Working-Holiday-Länder sind der beste Weg außerhalb Europas, solange Sie im passenden Alter sind.
  • Länder mit niedrigen Preisen außerhalb Europas wie Thailand oder Mexiko sind nur dann günstig, wenn Sie dort legal ein Einkommen haben. Ein Arbeitsvisum bekommen Sie dort in der Regel nur mit Arbeitgeber, ein Rentner- oder Langzeitvisum nur mit nachgewiesenem Einkommen. Details im Thailand- und Mexiko-Artikel.

Wie günstig ein Land im Schnitt ist, zeigt Eurostat: 2025 lag das Preisniveau für den Konsum in Bulgarien bei 60, in Kroatien bei 76, in Griechenland bei 84 und in Portugal bei 85 Prozent des EU-Durchschnitts, in Deutschland bei 109. Billiger ist dort vor allem das Wohnen, im Supermarkt zahlen Sie ähnlich viel wie in Deutschland. Die Tabelle mit weiteren Ländern steht im Artikel Auswandern als Rentner. Wer nicht aufs Budget, sondern auf Visum, Sprache und Krankenversicherung schaut, findet alle Länder im Artikel Wohin auswandern? Länder im Vergleich.

Wenn Sie Englisch oder Deutsch, aber keine weitere Sprache sprechen, hilft der Artikel Auswandern ohne Sprachkenntnisse bei der Auswahl.

Typische Fehler mit kleinem Budget

  • Keine Rückfahrkarte im Budget. Ohne Reserve für die Rückreise wird aus einem Fehlstart schnell eine Notlage, und Bürgergeld gibt es im Ausland nicht.
  • Ohne Krankenversicherung starten. Eine Behandlung im Ausland kann teurer werden als das gesamte Startkapital.
  • Alle Brücken abbrechen. Wer kann, nimmt erst ein Sabbatical oder testet das Land mit einem längeren Aufenthalt, bevor er Wohnung und Job in Deutschland aufgibt.
  • Auf „Visa Runs“ setzen. Wiederholte Aus- und Einreisen, um als Tourist länger zu bleiben, sind kein Plan für ein dauerhaftes Leben. Ob und wie oft das erlaubt ist, entscheidet allein das Zielland.
  • Steuern vergessen. Auch mit wenig Geld bleiben Fragen zur Steuerpflicht. Was beim Wegzug gilt, steht im Artikel Steuern beim Auswandern.

Fazit

Mit wenig Geld auszuwandern ist machbar, wenn das Einkommen von Anfang an feststeht oder schnell kommen kann. Am einfachsten ist das innerhalb der EU, wo Sie frei arbeiten dürfen und Arbeitslosengeld bis zu sechs Monate mitnehmen können, und für junge Erwachsene mit einem Working-Holiday-Visum. Planen Sie immer eine Reserve für die Rückreise ein.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Gebühren und Voraussetzungen ändern sich; maßgeblich ist jeweils die verlinkte Behörde.

Häufige Fragen

Kann man ohne Geld auswandern?

Ganz ohne Geld nicht. Sie brauchen mindestens Geld für die Anreise, die erste Unterkunft samt Kaution, eine Krankenversicherung und eine Reserve, bis das erste Einkommen kommt. Manche Visa verlangen außerdem einen Nachweis: Neuseeland zum Beispiel beim Working-Holiday-Visum mindestens 4.200 NZD. Mit wenig Geld funktioniert Auswandern vor allem dann, wenn Sie ab dem ersten Monat ein Einkommen haben.

Wohin kann man mit wenig Geld auswandern?

Für Deutsche am einfachsten sind die anderen EU-Länder: Sie dürfen dort ohne Visum leben und arbeiten und als Arbeitsuchende in der Regel sechs Monate bleiben, ohne nachweisen zu müssen, dass Sie sich selbst finanzieren können. Junge Erwachsene können über Working-Holiday-Programme ein Jahr in Ländern wie Australien, Neuseeland oder Japan leben und arbeiten. In Australien gilt das für Deutsche seit dem 1. Juli 2026 bis 35 Jahre.

Wie viel Geld braucht man zum Auswandern?

Eine seriöse Pauschale gibt es nicht, weil Mieten, Kautionen und Versicherungen je nach Land stark schwanken. Rechnen Sie Anreise, erste Miete plus Kaution, Krankenversicherung, Behördenkosten und eine Reserve für mindestens drei Monate ohne Einkommen zusammen. Wo ein Visum einen Mindestbetrag verlangt, ist dieser Betrag die Untergrenze, nicht das Budget.

Kann man ohne Eigenkapital auswandern?

Ja, wenn Sie ab dem ersten Monat Geld verdienen: über ein Working-Holiday-Visum, eine Stelle in einem anderen EU-Land oder eine Remote-Stelle, die Sie mitnehmen. Ein kleines Startkapital brauchen Sie trotzdem für Anreise, erste Miete samt Kaution, Krankenversicherung und eine Reserve für die Rückreise. Manche Visa verlangen einen Mindestbetrag, Neuseeland etwa 4.200 NZD.

In welchem Land kann man mit 500 Euro im Monat gut leben?

In keinem beliebten Auswanderungsland ist das verlässlich möglich. Selbst in Bulgarien, dem EU-Land mit dem niedrigsten Preisniveau, liegt der Mindestlohn 2026 bei 620,20 Euro im Monat. Rentner- und Langzeitvisa außerhalb Europas verlangen meist ein deutlich höheres Einkommen. Realistischer ist es, mit einem Einkommen vor Ort oder einer Remote-Stelle auszuwandern.

Gibt es einen Geheimtipp zum Auswandern?

Ein Land, in dem alles einfach und billig ist, gibt es nicht. Entscheidend ist, ob Sie dort legal leben und arbeiten dürfen. Für Deutsche ist das in allen EU-Ländern ohne Visum möglich; günstig sind laut Eurostat vor allem Bulgarien, Kroatien, Griechenland und Portugal. Außerhalb Europas sind Working-Holiday-Programme für junge Erwachsene der einfachste Weg.

Kann ich Arbeitslosengeld mit ins Ausland nehmen?

Ja, aber nur in ein anderes Land der EU, des EWR (Island, Liechtenstein, Norwegen) oder in die Schweiz und nur zur Arbeitsuche. Sie müssen die Mitnahme vor der Abreise bei der Agentur für Arbeit beantragen und in der Regel vorher vier Wochen arbeitslos gemeldet gewesen sein. Der Anspruch gilt drei Monate und kann auf höchstens sechs Monate verlängert werden.

Bekomme ich nach dem Auswandern noch Bürgergeld?

Nein. Die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II setzt voraus, dass Sie Ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Wer auswandert, verliert den Anspruch. Planen Sie deshalb eine Reserve ein, die eine Rückkehr bezahlt.