Digitale Nomaden: Jobs, Visa, Steuern, Versicherung
Welche Berufe sich für ortsunabhängiges Arbeiten eignen und was rechtlich dazugehört: In der EU brauchen Deutsche kein Nomadenvisum, außerhalb oft schon. Dazu Sozialversicherung, Steuern und Krankenversicherung.
Inhaltsverzeichnis · 6 Abschnitte

Digitale Nomaden arbeiten in Berufen, deren Ergebnis digital ist: Entwicklung, Design, Texten, Marketing, Datenanalyse, Unterricht oder Kundenservice. Rechtlich gilt: In der EU brauchen Deutsche kein Nomadenvisum, außerhalb der EU ist Arbeiten mit Touristenstatus oft nicht erlaubt; manche Länder wie Thailand haben eigene Visa. Klären Sie vor dem Start Steuern, Sozialversicherung und Krankenversicherung. Stand: Oktober 2026.
Welche Berufe sich eignen
Ortsunabhängig arbeiten können Sie, wenn Ihr Arbeitsergebnis digital ist und niemand Sie vor Ort braucht. Typische Bereiche:
- Softwareentwicklung und IT: Programmierung, Webentwicklung, IT-Support, Datenanalyse.
- Design und Medien: Grafik- und UX-Design, Video- und Audioschnitt, Fotografie mit digitaler Bearbeitung.
- Text und Sprache: Texten, Redaktion, Übersetzung, Lektorat, Transkription.
- Marketing: Online-Marketing, Suchmaschinenoptimierung, Social Media, Werbekampagnen.
- Unterricht und Beratung: Online-Unterricht, Sprachunterricht, Coaching, Beratung.
- Organisation: virtuelle Assistenz, Kundenservice, Projektmanagement, Buchhaltung.
Ob es klappt, hängt weniger vom Beruf als von den Kunden ab: Ein Arbeitgeber, der Remote-Arbeit aus dem Ausland erlaubt, oder Kunden, die Sie auch aus der Ferne beauftragen. Bauen Sie diese Basis auf, bevor Sie Deutschland verlassen. Wie Sie mit wenig Startkapital starten, steht im Artikel Auswandern ohne Geld.
Visa: Was Sie wo brauchen
In der EU: kein Nomadenvisum
Als Deutsche dürfen Sie in jedem EU-Land ohne Visum leben und arbeiten, auch für Arbeitgeber und Kunden aus Deutschland. Länger als drei Monate geblieben? Dann registrieren Sie sich nach den Regeln des Landes. Mehr im Artikel Auswandern innerhalb der EU.
Spanien hat seit Dezember 2022 eine eigene Aufenthaltserlaubnis für internationale Telearbeit. Sie richtet sich laut Gesetz an Staatsangehörige von Nicht-EU-Staaten, die remote für Unternehmen außerhalb Spaniens arbeiten; Selbstständige dürfen höchstens 20 Prozent ihrer Arbeit für spanische Firmen leisten. Für Deutsche ist sie nicht nötig.
Außerhalb der EU: Touristenstatus reicht oft nicht
Viele Länder erlauben Touristen keine Erwerbstätigkeit. Mexiko etwa verbietet Touristen laut Auswärtigem Amt bezahlte Tätigkeiten. Ob Remote-Arbeit für ausländische Kunden darunter fällt, regelt jedes Land selbst; im Zweifel fragen Sie bei dessen Botschaft.
Einige Länder haben eigene Visa für Remote-Arbeit, zum Beispiel:
- Thailand – Destination Thailand Visa (DTV): für digitale Nomaden, Remote-Arbeiter und Freelancer, fünf Jahre gültig, bis zu 180 Tage je Einreise, Nachweis von mindestens 500.000 Baht. Details im Artikel Auswandern nach Thailand.
Junge Menschen bis 30 (in Australien und Kanada bis 35) können mit einem Working-Holiday-Visum ein Jahr in einem Land leben und arbeiten.
Steuern
- Solange Sie in Deutschland wohnen oder sich gewöhnlich hier aufhalten, sind Sie hier mit Ihrem weltweiten Einkommen steuerpflichtig. Eine Wohnung, die Ihnen weiter zur Verfügung steht, reicht dafür aus.
- Wer Deutschland verlässt, wird meist dort steuerpflichtig, wo er lebt. Spanien etwa sieht Sie ab mehr als 183 Tagen im Jahr als ansässig, Thailand ab mehr als 180 Tagen.
- Ständig reisen ohne Wohnsitz ist steuerlich riskant: Es kann sein, dass Sie nirgends richtig erfasst sind oder mehrere Länder Anspruch erheben.
Mehr im Artikel Steuern beim Auswandern.
Sozialversicherung und Krankenversicherung
- Angestellte im EU-Ausland: Wer dauerhaft aus einem anderen EU-Land arbeitet, ist meist dort sozialversichert. Bei einer vorübergehenden Entsendung bleiben Sie mit der Bescheinigung A1 höchstens 24 Monate in Deutschland versichert. Ihr Arbeitgeber muss das klären.
- Selbstständige: Klären Sie mit der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA), welches Land zuständig ist.
- Außerhalb der EU: Ihre deutsche gesetzliche Krankenversicherung zahlt im Ausland grundsätzlich nicht. Sie brauchen eine Versicherung, die im Aufenthaltsland gilt; für die DTV und andere Visa ist das oft ohnehin Bedingung.
Mehr im Artikel Krankenversicherung beim Auswandern.
Checkliste
- Einkommen sichern: Arbeitgeber mit Remote-Erlaubnis oder feste Kunden.
- Zielland prüfen: EU (frei) oder Visum nötig?
- Steuerlichen Wohnsitz planen; Wohnung in Deutschland behalten oder nicht?
- Sozialversicherung klären (A1, DVKA).
- Krankenversicherung für das Ausland abschließen.
- Technik: Laptop, Ersatzgeräte, Datensicherung, Zugang zu Bank und Konten ohne deutsche SIM-Karte.
Weitere Schritte stehen in der Auswandern-Checkliste, Hinweise zur Jobsuche im Artikel Im Ausland arbeiten.
Quellen
Stand: Oktober 2026.
- Ley 14/2013, Art. 74 bis und 74 ter (BOE) – Telearbeit internationalen Charakters für Drittstaatsangehörige, 20-Prozent-Grenze, eingeführt durch Ley 28/2022
- Auswärtiges Amt – Mexiko: Reise- und Sicherheitshinweise – Touristen dürfen keine bezahlten Tätigkeiten ausüben
- Thailändisches Außenministerium – Destination Thailand Visa (DTV) – Workcation, fünf Jahre, 180 Tage, 500.000 THB
- Your Europe – Sozialschutz im Ausland – zuständiges Land, A1 höchstens 24 Monate
- § 1 EStG, § 8 AO – Steuerpflicht bei Wohnsitz
- Auswärtiges Amt – Working Holiday (FAQ) – Altersgrenzen
Häufige Fragen
Welche Jobs eignen sich für digitale Nomaden?
Berufe, deren Ergebnis digital ist und die keinen festen Ort brauchen: Softwareentwicklung, Design, Texten und Übersetzen, Online-Marketing, Datenanalyse, Video- und Audioschnitt, Kundenservice, virtuelle Assistenz, Online-Unterricht und Beratung. Entscheidend ist, dass Ihr Arbeitgeber oder Ihre Kunden Remote-Arbeit akzeptieren.
Brauche ich als Deutscher ein Visum für digitale Nomaden in Spanien oder Portugal?
Nein. In EU-Ländern dürfen Deutsche ohne Visum leben und arbeiten. Spaniens Visum für internationale Telearbeit richtet sich ausdrücklich an Staatsangehörige von Nicht-EU-Staaten. Wer länger als drei Monate bleibt, muss sich aber wie jeder EU-Bürger registrieren.
Darf ich mit einem Touristenvisum remote arbeiten?
Darauf sollten Sie sich nicht verlassen. Viele Länder erlauben Touristen keine Erwerbstätigkeit; Mexiko etwa verbietet Touristen bezahlte Tätigkeiten. Einige Länder haben deshalb eigene Visa für Remote-Arbeit, zum Beispiel Thailand die Destination Thailand Visa (DTV).
Wo zahle ich als digitaler Nomade Steuern?
Solange Sie in Deutschland einen Wohnsitz oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind Sie hier mit Ihrem weltweiten Einkommen steuerpflichtig. Wer Deutschland verlässt, wird oft in dem Land steuerpflichtig, in dem er sich lange aufhält, zum Beispiel in Spanien ab mehr als 183 Tagen im Jahr. Lassen Sie das vor dem Start klären.
Bin ich als Remote-Arbeitnehmer im EU-Ausland sozialversichert?
Das hängt von Ihrer Arbeitssituation und Ihrem Wohnort ab. Wer dauerhaft in einem anderen EU-Land arbeitet, ist meist dort versichert; bei einer vorübergehenden Entsendung bleibt man mit der Bescheinigung A1 höchstens 24 Monate in Deutschland versichert. Klären Sie das mit Arbeitgeber und Krankenkasse.
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